wenn Privatleute Emissionszertifikate kaufen

0
51
Sustainable Environmental Ecology Nature Recycle Planet
Der Klimaschutz ist in aller Munde. Dieser gelingt beispielsweise, wenn private Personen Emissionszertifikate erwerben, einige Zeit lang behalten und anschließend wieder weiterverkaufen. Allerdings braucht es dafür einige Voraussetzungen.
Die kürzlich beschlossene Reform hat für diesen Markt eine Tür geöffnet. Ziel dieser Reform ist es, die überschüssigen Zertifikate zu reduzieren und die angebotenen Zertifikate in naher Zukunft deutlich besser an die Schwankungen der momentanen wirtschaftlichen Lage anzugleichen. Hierfür sind einige Dinge angepasst worden.
Um 2,2 Prozent müssen Fabriken und Kraftwerke in den Jahren zwischen 2021 und 2030 ihren CO2-Ausstoß Jahr für Jahr absenken, um den Überschuss an Zertifikaten schneller zu reduzieren. Eigentlich war zu Beginn von nur 1,74 Prozent die Rede. Zusätzlich ist es den EU-Mitgliedsstaaten nun möglich, Zertifikate eigenmächtig zu löschen. Damit soll verhindert werden, dass beispielsweise in einem Land ein Kohleausstieg stattfindet, während in einem anderen Land dann dafür entsprechend mehr Emissionen ausgestoßen werden dürfen.Ab 2019 sollen die überzähligen Emissionszertifikate in der sogenannten Marktstabilitätsreserve aufbewahrt werden. Sobald die Zertifikate irgendwann wieder knapper werden, können sie zurück auf den Markt gebracht werden. Der Mechanismus dahinter ist folgender: befinden sich Ende des Jahres über 833 Millionen überzählige Zertifikate im Umlauf, parkt der Markt im darauffolgenden Jahr 24 Prozent der Menge zwischen. Ab 2024 werden es nur noch zwölf Prozent sein. In jedem Jahr gelangen mehr Zertifikate in die Marktstabilisierungsreserve. Daas passiert solange, bis es auf dem Markt weniger als 833 Millionen gibt. In der Folge befinden sich auf dem Markt weniger neue Zertifikate, sodass Unternehmen an Reserven herangehen müssen und somit der Überschuss weiter abgebaut wird. Sobald die Grenze von 400 Millionen erreicht ist, dreht sich der Mechanismus um 180 Grad. Aus der Reserve gelangen dann im kommenden Jahr 100 Millionen Zertifikate zur Versteigerung auf den Markt. Und das solange, bis die Reserve komplett leer ist. Somit braucht sie sich selbst auf.Allerdings wird mit der Reserve das Problem der überschüssigen Papiere nur weiter in die Zukunft verschoben, denn diese werden nur vorzeitig eingezogen und später wieder auf den Markt gespült. Daher gibt es einen Zusatzmechanismus der Erfinder des Systems. Dieser funktioniert so: Im Jahr 2023 wird eine Bilanz erhoben und geprüft, wie viele Zertifikate in der Reserve gelandet sind und wie viele Papiere von Unternehmen im entsprechenden Jahr zuvor gekauft worden sind. Handelt es sich um eine übereinstimmende Menge passiert nichts. Befinden sich allerdings mehr Papiere in der Reserve als im Besitz von Unternehmen, wird die Differenz daraus gelöscht. Und das für immer. Voraussichtlich sprechen wir hier von etwa einer Milliarde Zertifikate. Je mehr Zertifikate bis zum Jahr 2023 in die Reserve wandern, desto mehr von ihnen werden am Ende gelöscht. Und genau das ist spannend. Immerhin bedeutet das, dass es sich für private Anleger durchaus lohnen kann, Rechte an Emissionen zu kaufen und in Form eines Kontos aufzubewahren. Ausdrücklich sagen möchte ich an dieser Stelle aber, dass es sich lohnen KANN.

Privatanlegen für den Klimaschutz

Ja, es ist etwas komplex. Um das System besser zu verstehen, müssen wir uns einige Bedingungen genauer ansehen. Private Anleger sollten nicht zu viel Zeit verstreichen lassen und schnell zulangen. Zudem sollten die Zertifikate auch nicht umgehend wiederverkauft werden, sondern vorerst stillgelegt werden. Gewartet werden muss bis zur Löschung im System, also bis nach 2023. Ansonsten geht das Klimaschutzziel verloren.
Eine weitere Bedingung ist, dass es mehrere Privatanleger braucht. Zudem müssen diese es schaffen, dass Unternehmen darauf aufmerksam werden. Die Unternehmen sollten dabei merken, dass die Zertifikate auf dem Markt viel schneller weniger werden, als vorausgesagt. Dieser Druck kann dafür sorgen, dass Unternehmen schneller klimafreundliche Technik vorantreiben und weniger CO2 ausstoßen. Damit werden mehr Emissionsrechte frei, dieser wiederum wandern in die Reserve und werden am Ende vernichtet. Zu beachten ist auch noch ein weiterer Faktor. Sollten neue Teilnehmer auf dem Markt in großer Anzahl das System auf dem Kopf stellen, hat sich die Politik einen Notfallplan gemacht. Die Millionen an Zertifikaten sollen nur dann gelöscht werden, wenn die Überprüfung seitens der Politik zu „keinem anderen Ergebnis“ kommt.

Dieser Fall, der nicht wirklich realistisch ist, würde dann eintreten, wenn die 833 Millionen Zertifikate von Privatanleger gekauft werden. Das würde bedeutet, dass immer mehr Papiere von der Reserve aufgesaugt und dann gelöscht werden, dass die Unternehmen schon nach kurzer Zeit kaum mehr Rechte besitzen, die Umwelt mit Emissionen zu belasten.
Doch wie das System zeigt, können auch schon wenige Privatanleger mit dem Kauf die Skalierbarkeit des Mechanismus durcheinanderbringen. Niemand kann wissen, wann und ob diese ihre Papiere wiederverkaufen. Genau diese Unwissenheit können am Ende aber auch einen nicht gewollten Effekt haben. Nämlich den, dass sich die Unternehmen in der Investition in nachhaltigen und klimafreundlichen Techniken noch mehr zurückhalten.
Der Effekt, so eine aktuelle Studie, ist allerdings schon jetzt durch die neue Reform vorhanden. Das System, so die Macher der Studie, habe den Mechanismus so kompliziert gemacht, dass die Entwicklung auf dem Markt und die Entwicklung der Preise kaum vorhersagen lässt und der Ansporn für einen Wandel bei Unternehmen wohl eher niedrig ausfällt. Wenn die Wirtschaft stark wächst, könnten die Unternehmen einen erhöhten Druck in Richtung Politik ausüben, mehr der Papiere zu erhalten.

Klar ist: wer Zertifikate als privater Anleger für den Klimaschutz kaufen möchte, agiert auf einem schmalen Draht. Damit es einen gewünschten Effekt gibt, muss die Menge der privaten Anleger so groß sein, dass die Käufe wahrgenommen werden. Gleichzeitig müssen sie so klein sein, dass die Politik nicht aufmerksam wird und die Systemregeln ändert.

Teilen

Kommentieren Sie den Artikel